Digitaler Nachlass – eine Investition in die Zukunft

 

Alexander Pinker ist Marketing- und Innovationsberater bei der Medialist Group, einem von ihm gegründeten Unternehmen, das sich mit der digitalen Innovation mittels Innovation-Profiling beschäftigt. Außerdem ist er Vorstand des Startup-Netzwerk SUN e.V., einem europaweiten Verein zur Förderung und Unterstützung junger Gründer, Projektmanager für Multimedia und neue Technologien in der Münchner Agentur GMM und Dozent im Fach Trend- und Innovationsmanagement.

Alexander Pinker - Innovation Keynote

Alex, du beschäftigst dich als Marketing- und Innovationsberater sehr viel mit dem Thema der digitalen Transformation. Wieso ist das Thema digitales Leben so wichtig?
In meinen Augen ist das Thema des digitalen Lebens bzw. digitalen Nachlasses in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Wir leben mittlerweile in einer datengesteuerten Welt, erledigen Bankgeschäfte und unsere komplette Kommunikation über digitale Kanäle. Facebook, Google und Co gehören zu unserem Alltag. Das Smartphone ersetzt viele klassische Prozesse komplett. Wenn wir mal nichtmehr da sind, wo kommen all diese Daten hin? Das heißt wir müssen uns kümmern.

In einem digitalen Leben dürfen wir auch die nächsten Schritte nicht vergessen, den digitalen Nachlass. Auch wenn man sehr schnell dazu neigt nur die nächsten paar Schritte nach vorne zu sehen, muss man heute langfristig denken und handelt. Deshalb ist das Thema in meinen Augen so relevant.

 

Jetzt bist du auch Vorstand des Startup-Netzwerk SUN. Ist das Thema des digitalen Nachlasses ein Thema für Gründer?
Das Thema ist definitiv ein Thema für Gründer. Startups entdecken häufig lange vor den großen Konzernen ein relevantes Thema. So auch beim Thema des digitalen Nachlasses. Auf dem digitalen Markt gibt es bereits heute immer mehr Lösungen, um sich dem Thema der Datenverwaltung zu nähern. Ich denke, dass wir trotzdem erst am Anfang einer großen Welle von Services zu dem Thema stehen. Mit Unterstützung von Innovationsthemen wie Big Data, Artificial Intelligence oder Cloud Technologien bin ich sicher, dass den Startups noch großartige Ideen kommen werden, von denen wir gerade noch nicht zu träumen wagen.

Wir haben schon einige erfolgreiche Player am Markt und ich freue mich auf das was noch kommt. Dafür gilt es nun gute und innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln und vor allem die Kunden und Nutzer in die Prozesse einzubeziehen. Bei einem so persönlichen Thema wie dem digitalen Nachlass ist der User-Centric Ansatz wichtiger denn je.

 

Was würdest du Unternehmen raten, die sich in diesem Feld betätigen möchten?
Ich würde Ihnen raten ihre zukünftigen Nutzer genau in Augenschein zu nehmen. Startups neigen oft dazu sich von den technischen Möglichkeiten blenden zu lassen und die Lebenswelt ihrer eigentlichen Kunden aus dem Blick zu verlieren. Daher empfehle ich Unternehmen mit den Nutzern zu sprechen, sich durch ihren aktuellen Datenschatz führen zu lassen und die Methoden mit denen sie sich aktuell absichern kennen zu lernen und zu optimieren.

Wenn sie all diese Prozesse verstanden haben, werden sie sehr schnell das passende Problem identifizieren und die Nutzer begeistern.

 

Würdest du einen Service nutzen, der das Thema leicht für dich regelt, wenn es einen gäbe?
Definitiv. Jedoch sind Daten ein äußerst sensibles Gut, deshalb sollte der Service was Datensicherheit und Handling angeht extrem sicher sein. Bei der Idee des digitalen Nachlasses geht es schließlich darum, die Daten langfristig zu konservieren und denen zugänglich zu machen, für die sie nach meinem Verschwinden relevant sein werden. Wenn ich mir nicht ganz sicher sein kann, dass nur der für den meine Daten bestimmt sind an sie kommt, müsste ich doch länger überleben ob ich einen solchen Service nutzen möchte. Daher kann ich Unternehmen, die sich in diesem Bereich bewegen möchten, nur raten, äußerst transparent und persönlich zu kommunizieren.

 

Warum beschäftigst du dich mit dem Thema überhaupt?
Ich beschäftige mich sehr intensiv mit der digitalen Welt und den Szenarien, wie unser Leben in wenigen Jahren aussehen könnte. Dabei wird eines deutlich, dass wir nicht weniger datengesteuert sein werden, es nimmt eher zu. Abgesehen von einigen Aussteigern, werden immer mehr Prozesse unseres täglichen Lebens über digitale Dienste erleichtert oder gesteuert. Was aktuell noch häufig Banking und Kommunikation betrifft wird in wenigen Jahren die komplette Art wie wir leben und arbeiten bestimmen. Internet of Things, Smart Home und Smart Devices sind da nur einige Themen, die beschreiben wo wir uns hinbewegen.

Man sollte die Leute meiner Meinung nach daher frühzeitig für das Thema sensibilisieren und ihnen die Angst davor nehmen. Es dreht sich nicht alles nur um Trauer und Tod, sich jetzt bewusst mit seinen Daten und deren Zukunft zu beschäftigen ist eine Investition in die Zukunft, die wir alle tätigen müssen. Deshalb ist die digina als Konferenz so wichtig. Sie soll das Thema in das hier und jetzt bringen und nicht in der fernen Zukunft schweben lassen. Wir müssen jetzt aktiv werden, sonst geht, wenn es soweit ist, einfach ein großer Teil unseres digitalen Seins verloren.

Vielen Dank für das Interview!

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