Zwischen Internet of Things und Terrorpanik kommen mühsam erkämpfte Freiheitsrechte unter die Räder

Dennis Schmolk betreibt seit 2015 zusammen mit Sabine Landes das unabhängige Infoportal www.digital-danach.de. Dort behandeln sie Themen zu digitalem Nachlass, Vorsorge und digitaler Trauerkultur. Mit diesen Themen sind sie auch als Referenten, Workshopleiter und Berater tätig. Im November 2016 haben sie die digina16 als erste deutschsprachige und branchenübergreifende Fachkonferenz zum digitalen Nachlass veranstaltet.

Warum ist das Thema digitales Leben für dich so wichtig?
Die digitale Welt begleitet mich vom Aufstehen bis zum Einschlafen (und in schlaflosen Nächten auch länger). Alle Bereiche meines Lebens, von der Arbeit über soziale Beziehungen bis zur Unterhaltung, sind von digitaler Technologie umgeben und durchdrungen. Ich würde also gar nicht sagen, dass ich ein analoges und ein digitales Leben habe – beide Bereiche sind untrennbar verwoben. Für die analoge Sphäre haben wir allerdings wesentlich mehr Erfahrungswissen, daher interessiert mich, wie sich die digitalen Aspekte unseres Lebens entwickeln.

 

Was bedeutet digitaler Nachlass für dich?
Wenn ich heute vom Bus überrollt werde, hinterlasse ich einen Schrank, einen Schreibtisch und ansonsten nur Elektronik und Digitales. Als ich das einem Freund auf einer Konferenz erzählte, meinte er zwar, das mit der Villa und dem Rolls Royce komme noch; aber selbst wenn: Ich gehe davon aus, dass ich mehr und Wichtigeres digital hinterlassen werde.

 

Hast du schon vorgesorgt?
Ja.

 

Warum beschäftigst du dich mit dem Thema überhaupt?
Ich finde, dass dem Thema kulturell, gesellschaftlich, politisch und auch wirtschaftlich viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es passieren gerade viele spannende Dinge: Facebook-Urteil zum digitalen Nachlass, die Diskussion um den Wert von Daten, fahrlässige Debatten über Privatsphäre und Überwachung. Das alles ist zu wichtig, um sich nicht einzumischen.

 

Welche Befürchtungen hast du?
Meine schlimmste Befürchtung: Zwischen Internet of Things und Terrorpanik kommen mühsam erkämpfte Freiheitsrechte unter die Räder. Auch für den Nachlass heißt das nichts Gutes, denn wenn uns unsere Daten nicht gehören, können wir der Nachwelt schwerlich etwas vererben.

 

Würdest du einen Service nutzen, der das Thema leicht für dich regelt, wenn es einen gäbe?
Vielleicht. Ich vermute aber, dass meine Ansprüche zu individuell sind. Außerdem fehlt mir das Vertrauen, dass es den Dienst zu meinem Ableben noch gibt, selbst wenn er von Facebook oder Google angeboten wird.

Vielen Dank für das Interview!

Foto: Sabrina Kurtz

Scroll Up