Es geht hier um unsere sensibelsten Daten und Hinterlassenschaften

Mario C.G. Juhnke ist Geschäftsführer der mediahelden GmbH. Er beschäftigt sich seit Jahren mit digitalen Themen in der Medienwelt und dem Marketing. Er engagiert sich in der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen. Seinen Ausgleich findet er in der kreativen Kunst und dem Gesang.

Warum ist das Thema digitales Leben für dich so wichtig?
Ich verbringe beruflich und privat eine Menge Zeit in digitalen Welten. Auf Geräten und im Internet. Überall benötige ich Zugänge. Zudem sichere ich eine große Anzahl meiner Daten in Cloud- Systemen ab. Ich nutze eCommerce und Kommunikationslösungen. Da ich auch kreativ bin, sind viele meiner Arbeiten digitalisiert entstanden und gespeichert. Diese Werte sind mir wichtig. Von meinen beruflichen Ergebnissen mal ganz abgesehen.

 

Was bedeutet digitaler Nachlass für dich?
Ich hatte in den letzten Jahren sehr viel mit diesem Thema zu tun. Es gibt derzeit keinen wirklichen Service, der hier realistisch helfen kann. Es werden viele Versprechungen gemacht. Es ist auch immer mehr eine Generationenfrage. Meine Schwiegermama hat nicht einmal eine Mailadresse, ist somit keine Zielgruppe. Aber alle um mich herum chatten, speichern, surfen und erzeugen eine Unmenge an Erinnerungen und Werten, an die man ohne die richtigen Mittel nicht herankommt. Und das betrifft nicht nur die Hinterbliebenen, sondern auch die Betreuer und das manchmal auch nur temporär.

 

Hast du schon vorgesorgt?
Ja. Ich habe Vorsorge- und Patientenvollmachten und eine Betreuungsverfügung erstellt. Diese sind erreichbar hinterlegt, wenn der Fall es erfordert. Alle Beteiligten sind informiert. Allerdings habe ich keine aktuelle Lösung für meine Zugänge, und wüsste derzeit auch keinen sicheren Weg diese zu dokumentieren, damit sie im Falle verfügbar wären. Ich habe auch mein Umfeld aktiviert und dadurch Menschen glücklicher gemacht, da Sie Ihre Dinge auch geregelt haben.

 

Warum beschäftigst du dich mit dem Thema überhaupt?
Persönliche Umstände brachten mich mit dem Thema in Verbindung. Dabei ist mir aufgefallen, was noch alles fehlt. Ich selbst hatte versucht einzugreifen, aber die Grenzen des machbaren, bzw. des bezahlbaren waren schnell erreicht. Es lässt mir keine Ruhe, dass dieses wichtige und unverzichtbare Thema so wenig Beachtung im Alltag findet. Alle, die ich ansprach, hatten das gleiche Bedürfnis, und sahen die gleichen Probleme. Nur wenige meinten, sie seinen zu jung, es hätte noch Zeit. Aber hat es Zeit? Ich denke nicht. Wir haben alle viel Freizeit in der noch mehr passieren kann. Daher halte ich es für sinnvoll recht bald alles zu regeln. Wer Kinder hat, für den ist es erst recht ein Thema. Hier haben viele die Vorsorgeunterlagen ausgefüllt, aber was ist mit den Zugängen und Werten?

 

Welche Befürchtungen hast du?
Es geht hier um unsere sensibelsten Daten und Hinterlassenschaften. Ich weiß, dass ich diese irgendeinem Service anvertrauen muss, damit dieses Thema geregelt ist. Doch wer kann das sein? Ich denke, dass hier vertrauensvoll zusammengearbeitet werden muss, um diese Frage nachhaltig zu beantworten. So ein Service muss für Generationen zur Verfügung stehen. Die aktuellen Lösungen sind alle fragmentiert oder nur eingeschränkt sinnvoll nutzbar.

 

Würdest du einen Service nutzen, der das Thema leicht für dich regelt, wenn es einen gäbe?
Ja klar. Sofort. Allerdings müsste ich sicher sein, dass dieser Dienst vertrauenswürdig, leistungsfähig und hochsicher ist. Natürlich darf er auch nicht zu teuer sein, denn ich müsste dafür ja eine Art Abo abschließen, damit ich ihn dauerhaft zur Verfügung habe. Auch muss alles jederzeit verfügbar, aktualisierbar und regelbar sein. Es ändert sich im Leben ja dauernd was. Das muss dann im Falle eines Falles passen.

Vielen Dank für das Interview.

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