Eine Konferenz wird erst durch ihre Referentinnen und Referenten zu dem, was sie ausmacht. Wir sind stolz auf die Menschen, die wir für diesen Part gewinnen konnten. Hier im digina-Blog stellen wir sie vor. Heute die beiden Soziologen Dr. Thorsten Benkel und Matthias Meitzler M.A. (www.friedhofssoziologie.de):

Foto: Benkel und Meitzler
Dr. Thorsten Benkel, Matthias Meitzler M.A. (Fotos privat, Bildbearbeitung digina-Redaktionsteam)
In einem Satz: Wer sind Sie und was machen Sie?

Uns interessiert, wie die moderne Gesellschaft mit der Tatsache umgeht, dass jeder Mensch einmal sterben wird. Damit beschäftigen wir uns aus sozialwissenschaftlicher Sicht seit mehreren Jahren. Wir waren in Hospizen, am Obduktionstisch, im Krematorium, bei Bestattern, in der Leichenhalle, und auf über 1.000 Friedhöfen in ganz Europa. Daneben haben wir empirisch in Gefängnissen, Rotlichtvierteln, Gerichtssälen, im Drogenmilieu und zum Verhältnis von Liebe und Kapitalismus geforscht.

Unter anderem haben wir folgende Bücher verfasst:
Zwischen Leben und Tod. Sozialwissenschaftliche Grenzgänge (erscheint 2018)
Autonomie der Trauer (erscheint 2018)
Die Zukunft des Todes. Heterotopien des Lebensendes (2016)
Game over. Neue ungewöhnliche Grabsteine (2016)
Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe. Eine Reise über die Friedhöfe von heute (2014)
Sinnbilder und Abschiedsgesten. Soziale Elemente der Bestattungskultur (2013)
Die Verwaltung des Todes. Annäherungen an eine Soziologie des Friedhofs (2012)
Soziologie der Vergänglichkeit. Zeit, Altern, Tod und Erinnern im gesellschaftlichen Kontext (2011)

(Anm. d. R.: Weitere Infos findet man auf der Website der Soziologen, www.friedhofssoziologie.de)

Braucht es eine Konferenz zum digitalen Nachlass?

Nein. (Aber es schadet auch nicht.)

Worüber sprechen Sie auf der digina 2017?

Wir möchten thematisieren, inwiefern Menschen post mortem mittels digitaler Technologien bzw. dank Online-Präsenzmedien gewissermaßen „weiter wirken“, welche gesellschaftlichen Implikationen dies mit sich bringt, und was das alles mit dem sozialen Wandel zu tun hat.
Hintergrund ist eine zunehmende Verzahnung von Analog und Digital, die sich sukzessive auch im Kontext des Lebensendes abzeichnet. Unsere Forschung kann belegen, dass Online und Offline immer stärker zueinander in Beziehung gesetzt werden.

Welche Rolle spielt digitaler Nachlass oder die Fürsorge fürs digitale Leben in Ihrer Arbeit?

Da unsere Arbeit zum Lebensende auch die Umbrüche thematisiert, die der Tod auf zwischenmenschlicher Ebene herstellt, interessiert uns, welche soziale Rolle verstorbene Menschen überhaupt noch spielen, und welche Differenzierung hier zwischen Körper und Person getroffen wird. Der digitale Nachlass ist an dieser Schnittstelle zwischen Leben und Tod lokalisiert; das ist nicht nur ein theoretisches, sondern zunehmend auch ein ganz praktisches Problem, denn somit wird zunehmend unklar, wer überhaupt als „Handelnder“ gelten darf, wo (und unter welchen Umständen) Elemente eines Lebens „fremdgesteuert“ sind, und welche weiteren Entwicklungsprozesse zu erwarten sind. Diese Fragen spielen für
uns zunehmend eine Rolle.

 

Dr. Thorsten Benkel und Matthias Meitzler M.A. werden auf der digina am 16.11.2017 über folgendes Thema sprechen:
Parasoziale Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung

> Hier geht’s zum Programm der Konferenz zum digitalen Nachlass

> Hier geht’s zu Dr. Thorsten Benkels Speakerprofil | Hier geht’s zu Matthias Meitzlers Speakerprofil

 

Beitragsbild: Thorsten Benkel, Matthias Meitzler (Fotos privat, Bildbearbeitung digina-Redaktionsteam)

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