Ohne unsere Förderer wäre die digina Konferenz nicht möglich. Wir sind stolz darauf, dass wir das Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B) als Hauptsponsor gewinnen konnten. Dominik Golle im Interview:

Foto: Dominik Golle, ZD.B
Foto: Dominik Golle, ZD.B (BLENDE11 FOTOGRAFEN)

Wer sind Sie und was machen Sie?

Mein Name ist Dominik Golle, ich bin am Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B) für das Thema Verbraucherbelange in der Digitalisierung verantwortlich, das vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz finanziert wird.

Was verstehen Sie persönlich unter dem Schlagwort digitaler Nachlass?

Unter „digitaler Nachlass“ verstehe ich alle Daten und Dateien, die jemand besitzt und die lokal auf dem privaten Rechner oder in der Cloud abgelegt sind. Das umfasst vor allem Text und Bilder, in manchen Fällen auch ausführbaren Code, kann aber auch mit Crypto-Währungen ein erheblicher Vermögenswert sein.

Wie beispielsweise aber mit Profilen in Sozialen Medien umgegangen werden sollte, ist für mich noch eine offene Frage. Allgemein wirft auch schon das Wort „besitzen“, dass ich oben in Bezug auf Daten und Dateien verwendet habe, einige Fragen auf: Kann man Daten überhaupt besitzen? Wenn ja, welche? Bei Dateien wie Fotos lässt sich diese Frage meist einfacher beantworten, auch wenn die Nutzungsbedingungen mancher Fotoplattformen da noch die eine oder andere Überraschung bereithalten dürften.

Im Anschluss daran stellt sich die Frage, wie geregelt werden kann, welche der über viele Orte verstreuten Daten für die Nachkommen zugänglich gemacht werden sollen, wo also unsere digitale Intimspäre beginnt.

Logo: Zentrum Digitalisierung Bayern

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Die größten Herausforderungen für die Zukunft allgemein würden hier wohl den Rahmen sprengen – man denke nur an die gerade laufende Klimakonferenz in Bonn.

In Bezug auf die Digitalisierung sehe ich die größte Herausforderung darin, uns als Gesellschaft bewusst zu werden, dass jeder von uns digitale Spuren hinterlässt, und einen gesamtgesellschaftlichen Umgang mit dieser Tatsache zu finden. Die verschiedenen Entwicklungen, die unter dem Begriff Digitalisierung zusammengefasst werden, bergen enorme Chancen: So können wir z.B. ökonomische oder politische Entscheidungen sehr viel besser evaluieren als früher, durch Automatisierung Ressourcen und Energie sparen oder durch künstliche Intelligenz unbekannte Zusammenhänge aufdecken. Wir müssen aber darauf achten, diese Quantifizierung der Welt nicht mit einer normfreien Objektivität zu verwechseln. Hier werden oft wichtige, normative Fragen, für die es demokratisch legitimierte Antworten braucht, auf der Ebene von Programmieren getroffen und später merkt man, dass z.B. ein scheinbar objektiver Algorithmus bestimmte Bevölkerungsschichten systematisch diskriminiert hat. Hinterher dann mit dem Finger in eine Richtung zu zeigen ist einfach. Aber nur, wenn wir gesamtgesellschaftlich diskutieren und abwägen, welche Normen und Werte uns wichtig sind, können wir unsere Zukunft mithilfe von Technik vorausschauend und positiv gestalten.

Was erhoffen Sie sich von der digina 2017? Braucht es eine solche Konferenz?

Ich erhoffe mir von der digina 2017, dass die Teilnehmer aus der Konferenz rausgehen und sich denken: Der digitale Nachlass ist ein wichtiges Thema, um das ich mich kümmern sollte!
Dieses Kümmern kann bedeuten, sich als Privatperson Gedanken zu machen, als Unternehmen Möglichkeiten zur Verwaltung des digitalen Erbes zu konzipieren, oder in der Politik verschiedene gesetzliche Regelungen zur Disposition zu stellen.

Deswegen ist die digina Konferenz so wichtig: Sie bringt alle relevanten Akteure zusammen an einen Ort des Austauschs, um gemeinsam darüber nachzudenken, wie wir mit diesem Thema umgehen wollen. Und wie so oft kann auch diese Frage nur beantwortet werden, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam an einer Lösung arbeiten.

Wieso unterstützen Sie die digina 2017?

Am ZD.B und insbesondere im Bereich Verbraucherbelange in der Digitalisierung haben wir einen ähnlichen Ansatz: Nur durch die Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft können wir den Prozess der digitalen Transformation erfolgreich meistern.
Die digina adressiert dabei ein Zukunftsthema, das uns heute schon massiv betrifft – und das primär in unserer Rolle als Individuen, als Verbraucher. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Konferenz nicht nur durch die Vermittlung von Rednern, sondern auch als Hauptsponsor zu unterstützen.

Wonach suchen Sie – wer sollte Sie kontaktieren?

Wir sind immer auf der Suche nach Akteuren, die etwas bewegen wollen und Verbraucherbelange in der Digitalisierung als Chance anstatt als Hemmschuh verstehen. Das können etablierte Unternehmen oder Startups genauso wie Wissenschaftler, Politiker, Verbraucherschützer oder zivilgesellschaftliche Akteure sein. Das ist das Schöne an meinem Job: Wir haben die Freiheit, über Institutionen- oder Sektoren-Grenzen hinaus Kooperationen anzustoßen, um gemeinsam nach der besten Lösung zu suchen.
Wir werden auf der digina auch mit einem Stand vertreten sein. Sie können uns also gern einfach ansprechen, wenn sie an einer Kooperation interessiert sind oder einfach mehr über uns erfahren wollen.

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